Die Geschichte der Kirche und der Seelsorge
Seitenansicht der Kirche
Die ersten Schritte
Aufgrund der langen Wege zur nächsten Kirche in Cappeln machten sich die Einwohner Schwichtelers schon länger Gedanken, wie man eine Alternative im Dorf schaffen könne. 1918 kam dann der glückliche Zufall, dass das Kloster Füchtel des Dominikanerordens nach landwirtschaftlicher Fläche zur Versorgung der Klosterschüler suchte. Nachdem der Müller Ferdinand Siemer dies erfuhr, brachte er Schwichtelers Bauern und die Patres am 15. September 1918 in seinem Hause zusammen. Obwohl die Patres nach einer Fläche von etwa 30 ha suchten, konnten die Bauern Schwichtelers lediglich 18 ha für einen Preis von 54.000 Mark anbieten. Gleicheitig boten sie 54.000 Mark an für einen regelmäßigen Gottesdienst in Schwichteler. Nach längerer Überlegung akzeptierte der Orden dieses Angebot. Pater Laurentius Siemer des Dominikanerordens und die Einwohner Stenkhoff und Siemer verhandelten im Nachhinein die Details dieses Tauschhandels.
Am 31. Mai 1919 folgte ein weiterer Schritt der Schwichteleraner zur eigenen Kirche. 5 Männer suchten Bischof Johannes Poggenburg in Münster auf und trugen ihren Wunsch einer Niederlassung der Dominikaner "ruhig und sachlich, jedoch in keinster Weise umzustimmen" vor, wie Poggenburg dem Cappelner Pfaffer Holzhaus schrieb. Da dieser bereits zuvor die Dominikaner als "Bettlerorden" betitelte und wusste, dass zwischen einem gottesdienstlichen und einem seelsorgerischen Mittelpunkt kein weiter Weg sei, lehnte die Idee ab und schlug vor, dass die Einwohner Schwichtelers doch in die Kirchen anderer Gemeinden gehen sollen.
Trotzdessen erteilte der Bischof am 19. Juli 1919 die Erlaubnis zum Bau einer Kapelle mit der Einschränkung, dass der weilende Pater keine Pfarrrechte ausüben dürfe.
Nun war die nächste Herausforderung die gebotenen 18ha in zusammengelegten Parzellen zu organisieren, damit eine landwirtschaftliche Nutzung für die Dominikaner ermöglicht wird. Da eine größere Fläche zum Bau der Kirche, des Klosters und des Christinenhofs gefunden werden musste, kam das Grundstück des Bauern Heinrich Grave's in Frage kam, welches auf dem Schaffelde lag. Beim Flächentausch begann nun für die Bauern ein "Pokerspiel". Pfarrer Holzhaus, der die Niederlassung der Dominikaner weiterhin missbilligend Wahrnahm, heizte die Diskussion an mit der Warnung Flächen umschreiben zu lassen, da "ein Bau einer Kirche sowieso nie geschehe". Dieses Ziel wurde jedoch nie aus den Augen verloren und nach einigen hitzigen Diskussionen konnte sich geeinigt werden.
Frontansicht der Kirche vom Dominikanerweg
Bau der Kirche
Nach der Ankunft des Seelsorgers Pater Ludgerus Pohlschröder musste zunächste ab dem 18. Oktobers 1919 im Wohnzimmer des Heuerhauses Graves, welches zuvor von Ordensbrüdern wieder hergerichtet werden musste, die tägliche heilige Messe gelesen werden. Unter Leitung des Zimmermann's Josef Bullermann wurde neben diesem eine Notkapelle erbaut, welche bereits am 23. Dezember 1919 durch Prior Jakobus Höckesfeld eingeweiht werden konnte.
1923 begann nun der Bau der Kapelle, nachdem 1921 bereits die Gebäude des Christinenhofes errichtet wurden.
Als am 19. Juni 1925 Pater Ambrosius Dahmen nach Schwichteler versetzt wurde setzte sich vieles in Bewegung. Pater Ambrosius, welcher bereits zuvor eine Kirche errichtete, begann schnell mit dem Bau der Kirche in Schwichteler mit tatkräftiger Unterstützung der Bauern Schwichtelers, welche mit ihren Karren Baumaterialien heranführten und durch Handarbeit mithalfen. In den folgenden Jahren musste Pater Ambrosius immer wieder um Geld für den Bau bitten. Kurz vor Vollendung des Bau's sollten die Bauern noch je eine Kuh nachschießen. Da einige Bauern nach mehrmaliger Ermahnung sich jedoch nicht dazu bewegen konnte, drohte der Pater in einer Sonntagspredigt : "Dann muss Maria mal durch den Stall gehen!". In der Folgezeit gab es tatsächlich einige Kuhtode, was die Spendenbereitschaft tatsächlich gesteigert hat.
Der Bau der Kirche zog sich lang, da Pater Ambrosius erst dann baute, wenn er auch das Geld dazu hatte. Als der Kirchturm seine heutige Höhe erreichte und das Geld wieder einmal ausging, beschloss er es bei der Höhe zu belassen, um die Belastung für die Schwichteleraner zu beschränken. Der Kirchturm sollte tatsächlich mehr als die doppelte Höhe erreichen.
1928 setzte der Zimmermeister Hermann Spille den Glockenstuhl und die Turmhaube auf. Kaplan Jaspers, welcher eine lange Verbindung zu Schwichteler und den Dominikanern hatte, stiftete anlässlich seines 50-jährigen Priesterjubiläums den Altartisch. Obwohl das Geld reichte verzögerte Pater Ambrosius am Ende den Kirchbau, damit diese am 08. Dezember 1929 zu Ehren der unbefleckten Empfängnis Mariens eingeweiht werden konnte. Die erste Andacht hielt der neuernannte Pfarrer Cappelns Alwin Siemern.
Im Februar 1930 wurden nach 2 Jahren die bestellten Turmglocken geliefert. Im darauf folgenden März schuf der münsterische Künstler Frerichmann den Aufbau des Hochaltars. 1931 wurden die sandsteinerne Seitenaltäre und die Beichtstühle eingebaut. 1937 wurde die Warmluftheizung eingebaut und das Rektoratsgebäude errichtet. 1938 folgte die erste Hälfte der neuen Orgel der Firma Feith aus Paderborn. Die zweite Hälfte folgte erst nach dem 2. Weltkrieg. Seelsorger Pater Wolfram Plotzke nahm die Ausmalung der Kirche von 1939 bis 1940 vor, nachdem er nach Schwichteler versetzt wurde.
Bildunterschrift: Bild links vom Text
Seelsorgerische Entwicklung
Obwohl die Freude nach der Einweihung der eigenen Kirche groß war führte es zu Unmut, dass in Schwichteler weder Tote begraben, die Kommunion erteilt noch Geheiratet werden durfte und man für all dies extra nach Cappeln reisen musste. Alwin Siemer jedoch lehnte die Ausweitung seelsorgerischer Tätigkeiten für die Dominikaner mit Verweis auf die hohen Schulden in Cappeln aufgrund des Kirchenbaus ab, welche auch durch Gelder aus Schwichteler bezahlt wurden welche dann einbrechen würden. Pater Ambrosius und seine Anhänger setzten sich in der folgenden Zeit umso stärker für die seelsorgerische Ausweitung ein. Diese Auseinandersetzung nahm lächerliche Züge an, als etwa über ein Jahr lang über die Errichtung eines Friedhofs in Schwichteler verhandelt werden musste, bis dieser 1934 fertiggestellt werden konnte. Im Zuge der Auseinandersetzungen zwischen Cappeln und Schwichteler wurden sogar 2 Tote, welche vor der Fertigstellung des Friedhofs verstarben, in der Nacht vom 06. auf den 07. Juli 1943 aus Cappeln zurück, um diese im Familiengrab beisetzen zu können. Pater Siemer beschuldigte darauf in einem Brief an das Offizialat Pater Ambrosius schwer, er stecke mit den Schwichteleranern unter einer Decke, womit er vermutlich recht hatte.
1942 folgte die Trauerlaubnis für Schwichteler, nachdem viele Jahre lang Trauende viele Bittbriefe an das Offizialat, an Pater Siemer und dem münsterschen Offizial schrieben, in denen sie nicht auf die aus "ortseigenen Opfern" erbaute Kirche verzichten wollten.
Die hl. Kommunion wurde der Schwichteler Schulacht in Schwichteler erlaubt, nachdem 1933 viele Eltern drohten ihren Kindern die Kommunion vollständig zu enthalten, falls es ihnen nicht in Schwichteler erlaubt wird. 1939 folgte die Erlaubnis auch für die Tenstedter Schulacht.
Im April 1940 wurde die Erlaubnis einer Taufe in Schwichteler für ein schwaches Mädchen erlaubt, welches die Reise nach Cappeln vermutlich nicht überstehen würde. Vechta verstand wohl nun, auf welche weise die Schwichteleraner handelten, und erlaubten im September die Taufe für alle Kinder Schwichtelers, damit "nicht all zu viele schwache Kinder geboren würden".
Unter Pfarrer Thobe (Cappeln) und Pater Wolfram Plotzke (Schwichteler) entspannte sich das Verhältnis der beiden Kirchen wieder und es erfolgte erstmals die offizielle Zuteilung der Bauernschaften für das Kirchspiel Schwichteler: Schwichteler, Nordenbrook, Osterhausen (Schwichteler-Bahnhof), Mintewede, Schwede und Darrenkamp.
Am 11. April 1953 wurde Schwichteler zum selbstständigen Pfarrrektorat erhoben.
2009 beschloss die katholische Kirche die Fusionierung der Kirchengemeinden Elsten, Schwichteler, Sevelten und Cappeln. Unsere seelsorgerische Selbstständigkeit verloren wir jedoch erst 2017, als unser, dem Dorf entstammende, Pater Sebastian Hackmann emeritierte.
